Mobilität ist mehr als Fortbewegung. Sie ist Voraussetzung für Selbstbestimmung, Würde und gesellschaftliche Teilhabe – besonders im Alter oder bei körperlichen Einschränkungen. Genau dieser Gedanke steht im Mittelpunkt der Arbeit von Rollstuhlbau Bräunig aus Leipzig. Der kleine Spezialhersteller entwickelt seit vielen Jahren individuelle Zimmerrollstühle für Menschen, deren Alltag von eingeschränkter Beweglichkeit geprägt ist.

Nun hat das Unternehmen weiteren Schritt unternommen, um Fachkräften aus Beratung und Pflege praktische Einblicke in seine Entwicklungen zu ermöglichen. Dem WohnXperium e.V. in Chemnitz, vertreten durch die Vereinsvorsitzende Susanne Trabandt, wurde offiziell eine Dauerleihgabe des Modells RZ-Vario übergeben. Der Rollstuhl steht künftig dauerhaft in den Ausstellungsräumen des Vereins zur Verfügung und kann dort direkt erprobt werden.

Das WohnXperium versteht sich als praxisorientierte Lern- und Demonstrationsumgebung für barrierefreies Wohnen. Hier können Fachleute Wohnsituationen analysieren, Hilfsmittel vergleichen und neue Versorgungskonzepte erleben. Die Integration eines spezialisierten Zimmerrollstuhls erweitert dieses Spektrum um einen wesentlichen Baustein der häuslichen Mobilität.

Gerade für Wohnraumberaterinnen und Wohnraumberater entsteht durch die neue Dauerleihgabe konkreter Mehrwert. Aktuell kommt der Rollstuhl RZ-Vario im simul+ Modellprojekt »LernHub Wohnen+« zum Einsatz. Hierbei soll ein nachhaltig verfügbares Angebot für die systematische und qualitätsgesicherte Qualifizierung von Wohnraumberatenden im Themenkomplex »Wohnen für Ältere und Menschen mit Behinderung« geschaffen werden. Teilnehmende können das Hilfsmittel im realitätsnahen Umfeld erleben, Bewegungsabläufe nachvollziehen und räumlichen Anforderungen besser einschätzen.

„Solche Erfahrungen sind häufig entscheidend, um individuelle Wohnsituationen realistisch zu beurteilen und die Individualität beim Hilfsmitteleinsatz präziser zu berücksichtigen.“

Susanne Trabandt

Der RZ-Vario gehört zu den zentralen Entwicklungen von Rollstuhlbau Bräunig. Das Konzept basiert auf einer schmalen Rollstuhlkonstruktion, die auch für übergewichtige Menschen besonders wendig und zugleich stabil ist. Durch seine Konstruktion eignet er sich nicht nur für den alltäglichen Einsatz in der Wohnung, sondern auch für therapeutische Anwendungen. Gerade in engen Wohnsituationen oder bei komplexen Bewegungsanforderungen bietet das System Möglichkeiten, die mit konventionellen Standardrollstühlen oft nicht erreicht werden.

Für Inhaber Sascha Kröner ist die Kooperation mit Einrichtungen wie dem WohnXperium e.V. deshalb mehr als eine Produktpräsentation. Sie ist Teil eines Verständnisses von Versorgung, das den Austausch mit Fachkräften in den Mittelpunkt stellt.

„Wenige Dinge sind wichtiger, als sich allein und unabhängig von fremder Hilfe bewegen zu können.“

Sascha Kröner

Mobilität bedeute für viele Menschen nicht nur praktische Beweglichkeit, sondern auch Stück persönlicher Würde.

Neben dem RZ-Vario entwickelt das Leipziger Unternehmen weitere spezialisierte Lösungen. Dazu gehören Tripplerollstühle genauso, wie demnächst ein faltbarer Dusch- und Toilettenrollstuhl, der sich so kompakt zusammenlegen lässt, dass er in einem Koffer transportiert werden kann – Hilfe etwa für Reisen oder temporäre Pflegesituationen. Ein weiteres Projekt entsteht derzeit in Kooperation mit der Technischen Universität Chemnitz: AR-gestütztes Rollstuhl-Steuerungssystem für Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie ALS oder Multipler Sklerose.

Dass ein kleiner Hersteller diesen Weg über Kooperation und Austausch geht, ist kein Zufall. Individuelle Hilfsmittelversorgung entsteht selten in der Konstruktionssoftware allein. Sie entwickelt sich im Gespräch mit Therapeutinnen, Pflegefachkräften und Beratern, die täglich erleben, welche Herausforderungen Wohnungen, Bewegungsabläufe und Krankheitsbilder mit sich bringen. Genau hier setzt die Idee der Dauerleihgabe an: Technik wird begreifbar, erprobbar und damit Teil einer Beratungspraxis.


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