Lively ist ein neuer Senior-Living-Anbieter und startet auf dem deutschen Markt für betreutes Wohnen. Die beiden Co-Founder des Unternehmens sind die ehemaligen prizeotel-Manager Christina Kainz und Constantin Rehberg. Wir sprachen mit Constantin Rehberg über das innovative Konzept (www.lively.de).

Sie und Frau Kainz kommen beide aus der Hotellerie, nun starten Sie mit lively auf dem deutschen Markt für betreutes Wohnen und entwickeln neue Konzepte. Was war Ihre Motivation, die Hotellerie zu verlassen? 

Constantin Rehberg: Christina und ich haben während unserer gemeinsamen Zeit bei prizeotel zusammen einige Hotels aufgemacht. In dieser Zeit haben wir uns häufig gefragt, was der demografische Wandel für die Hospitality bedeutet, zumal ein Überangebot an Hotelentwicklung bestand, welches wir nicht mehr nachhaltig fanden. Aus der anfänglichen vielleicht naiven Idee, dass wir mit unserem Hotel- und Gastgeber-Know-how das Wohnen im Alter verbessern können, ist nach über einem intensiven Jahr der Vorbereitung lively entstanden.

Während unserer Vorbereitungsphase haben wir dann mit vielen Leuten aus der Branche gesprochen und schnell gemerkt, dass diese Idee gut angenommen wird. 

Unsere Grundmotivation besteht daher darin, möglichst viel aus der modernen Hotellerie auf das Wohnen im Alter zu übertragen und unsere Kompetenz als Gastgeber einfließen zu lassen.

Dadurch haben wir eine andere Brille auf und machen sicherlich viele Dinge anders oder für den Markt untypisch.

Welche konkreten Ziele möchten Sie erreichen bzw. welche konkreten Leistungsangebote sind Ihnen besonders wichtig?

Constantin Rehberg: Wir möchten mit lively ein leistbares Produkt liefern und legen daher Wert auf einen sehr flexiblen Leistungskatalog ohne die klassischen Preistreiber wie Schwimmbad oder Wellnessbereich, für die zwar jeder bezahlen muss, die aber nicht von jedem in Anspruch genommen werden. Dieses Prinzip kennen wir auch aus der Economy-Hotellerie, da es dort sehr bewährt ist.

Die Leistungen selbst orientieren sich sehr stark an den Menschen, die bei uns wohnen werden und deren Angehörigen. Wir möchten keinen Ablauf vorgeben, sondern stellen die individuellen Wünsche in den Mittelpunkt. Grundsätzlich ist unsere Leistungspalette aber sehr weit gefächert: Sport, Ernährung, Gesundheit, Musik, Kunst, Wissen, Digitales – hier sind wir sehr modern aufgestellt und möchten den Umfang auch ständig erweitern und verändern.

Hierbei ist uns die Vernetzung und ein aktiver Austausch mit der Nachbarschaft sehr wichtig, so können wir unseren Leistungskatalog erweitern und uns für auch für Gäste öffnen.

Als generelles Ziel haben wir uns gesetzt, die Lebensqualität im Alter zu verbessern. Wir möchten mit der Barriere brechen, dass sich diese oftmals mit zunehmendem Alter verschlechtern und daran hängen dann auch viele negative Assoziationen von Bewohnern und Angehörigen. Wir sind der Meinung: Das muss nicht sein und genau das möchten wir mit lively zeigen. 

Was können Sie aus der Hotellerie für Ihren neuen lively-Projekte mitnehmen? 

Constantin Rehberg: Neben der bereits angesprochenen Gastgebermentalität spielt das Thema Bauprozess und Interior Design für uns eine sehr entscheidende Rolle. Da wir die Immobilien für viele Jahre mieten und innerhalb der Baubeschreibung Dinge definieren, die erst ein paar Jahre später gebaut werden, machen wir uns viele Gedanken um die Zukunftsfähigkeit der Immobilie. Hierbei versuchen wir, die Trends und Veränderungen der Bedürfnisse zu antizipieren und diese einfließen zu lassen. Telemedizin ist beispielsweise ein Thema, welches heute noch kaum präsent ist, in den nächsten Jahren aber stark zunehmen wird.

Diese Überlegungen und auch der damit verbundene Drang nach einer starken Digitalisierung ist etwas, was bereits unsere Zeit in der Hotellerie stark geprägt hat. Und ganz nebenbei gesagt: Die Digitalisierung im Senior Living steht noch ganz am Anfang.

Während unserer gemeinsamen Zeit bei prizeotel durften Christina und ich ein sehr modernes und digitales Arbeitsumfeld erleben, und wir sind große Fans einer modernen Arbeitsgeberkultur, die auf Mitbestimmung und Eigenverantwortung ausgelegt ist. Die von uns geplante Teamstruktur wird für die Branche daher vermutlich einzigartig sein.

Ähnlich wie in einem Hotel möchten wir aus der Kombination von Immobilie, Digitalisierung und Teamstruktur eine besondere und einzigartige Atmosphäre schaffen, die zum Verweilen einlädt und eine hohe Wohnqualität gewährleistet. Dies ist unser täglicher Antrieb.

Wenn Sie die Hotellerie-Branche mit dem Sektor des betreuten Wohnens vergleichen: Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten? 

Constantin Rehberg: Es gibt sicherlich ebenso viele Gemeinsamkeiten wie Unterschiede, und wir entdecken von Beidem jeden Tag neues.

Für uns geht es im Kern allerdings darum, als Betreiber Lebensräume zu schaffen und eine hohe Qualität abzuliefern.

Glücklicherweise können wir mit vielen Akteuren aus unserem Netzwerk zusammenarbeiten. Viele Projektentwickler, Produktdesigner, Hersteller usw. aus der Hotellerie, bieten ebenfalls Lösungen für das Wohnen im Alter an, was unserer Mission, möglichst viel aus der Hotellerie auf das Wohnen im Alter zu übertragen, natürlich zugutekommt. 

Und was sind die größten Unterschiede und Herausforderungen? 

Constantin Rehberg: Natürlich hat die Zielgruppe ganz andere Bedürfnisse, die natürlich auch durch die viel längere Aufenthaltsdauer geprägt ist. Während ein durchschnittlicher Hotelaufenthalt oft nicht länger als eine Nacht andauert, gehen wir von vielen Jahren aus und möchten auch den Wunsch der Menschen berücksichtigen, kein weiteres Mal umziehen zu müssen – daher haben wir ein sehr holistisches Konzept entwickelt.

Weiterhin haben wir uns bereits sehr früh Pflegekompetenz ins Team geholt.

Wir hatten den Wunsch, ein holistisches Pflegekonzept zu entwickeln, sodass wir uns an die sich veränderten Bedürfnisse der Menschen anpassen können.

Von Menschen ohne Pflegegrad bis hin zu Pflegegrad fünf, können wir daher Menschen beherbergen und ihnen ein neues Zuhause anbieten.

Eine gewisse Herausforderung bei Betreiberkonzepten liegt stets darin, passende Standorte zu leistbaren Preisen zu finden. Genau darin liegt für uns als Betreiber aber natürlich auch der Reiz.

Wie wichtig ist Ihnen bei Ihren Projekten die Ästhetik bzw. welchen Stellenwert spielen Architektur und Innenarchitektur? 

Constantin Rehberg: Die Ästhetik spielt für uns eine außerordentlich große Rolle, da sie unserer Meinung nach einem unmittelbaren Einfluss auf die Wohlfühlatmosphäre und somit auf die Lebensqualität hat – wobei natürlich auch Gerüche, Geräusche und die haptische Wahrnehmung eine sehr große Rolle spielen.

Da wir einen sehr offenen Quartierscharakter verfolgen, sollen unsere Objekte sich gut in die jeweiligen Quartiere integrieren und zu einem Besuch einladen. Den hellgrünen Zweckbau am Ortsrand in Würfelform lehnen wir daher ab – das würde nicht zu uns passen. Vielmehr glauben wir daran, dass gute Architektur auch Generationen verbinden kann. So favorisieren wir neben Quartiersentwicklungen auch Mixed-Use-Objekte, die beispielsweise eine Kita oder ein Student-Housing enthalten.

Je mehr Berührungspunkte und Begegnungszonen dabei entstehen, umso besser für das gesamte Quartier.

Innerhalb der Objekte arbeiten wir mit einem eigenen Interior Design, welches sich stark an die jeweilige Region anpasst und dennoch einen Wiedererkennungswert hat – in der Hotellerie würde man hier von einem Signature Design sprechen. So etwas gibt es im Bereich des betreuten Wohnens fast überhaupt nicht und ist daher ein gewisses Novum. Da das Thema der Barrierefreiheit hierbei natürlich eine große Rolle spielt, gehen wir darauf sehr intensiv ein. Hierbei geht es uns darum, Ästhetik mit Barrierefreiheit zu verbinden und so eine besondere Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, die eben nicht wie eine typische barrierefreie Immobilie aussieht, aber deren Zweck erfüllt – wir nennen dies „intuitiv barrierefrei“. 

Welche Rolle spielt der Service/Gastgebergedanke aus der Hotellerie für das Geschäftsfeld des betreuten Wohnens?

Constantin Rehberg:

Anfangs waren wir tatsächlich überrascht, wie – aus unserer Sicht – wenig Gastgebermentalität im Markt herrscht. 

Anderseits hat uns das auch bestärkt und die Motivation unserseits ist gestiegen, unsere Rolle als Gastgeber noch stärker einfließen zu lassen und damit die Wohlfühlatmosphäre zu verbessern. Für uns war von Anfang an klar, dass wir ein entsprechendes Betreiberkonzept entwickeln möchten. Die Gastgebermentalität spielt daher eine unglaublich große Rolle für uns, und wir glauben auch stark daran, dass es für alle Beteiligten ein wichtiger Faktor ist. 

Besten Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

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