Wie gut greifen die Unterstützungsangebote für pflegebedürftige Kinder und Jugendliche in Berlin ineinander? Zehn Jahre nach der ersten Fachtagung „Pflegebedürftige Kinder – bestens versorgt?“ zogen die Fachstelle MenschenKind des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg und das Kindernetzwerk e.V. gestern Bilanz. Rund 120 Vertreter*innen aus Fachpraxis, Politik, Wissenschaft und Selbsthilfe diskutierten an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin über Fortschritte seit 2016 und weiterhin bestehenden Handlungsbedarf.
„Wenn Schule, Pflege und medizinische Versorgung nicht zusammenspielen, müssen Familien die Lücken auffangen. Das darf kein Dauerzustand sein. Mit der Fachstelle MenschenKind machen wir Versorgungslücken sichtbar und vernetzen Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen. Die Fachtagung hat gezeigt, wo wir gemeinsam ansetzen können. Jetzt müssen daraus konkrete Verbesserungen für die Familien werden.“
Sabine Sebayang, Abteilungsleitung Humanistische Hospize beim Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg
Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, rückte die Verbindung von Pflege und Teilhabe in den Mittelpunkt: „Kinder und Jugendliche mit Pflegebedarf haben das Menschenrecht auf Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe. Ob sie dieses Recht im Alltag wahrnehmen können, darf nicht von der Durchsetzungskraft ihrer Eltern abhängen. Diese Fachtagung hat ein wichtiges Signal gesetzt: Die Lebensrealität pflegebedürftiger Kinder und ihrer Familien muss stärker ins Zentrum politischer Entscheidungen rücken.“
Auch Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung einer bedarfsgerechten Unterstützung pflegebedürftiger Kinder und Jugendlicher sowie ihrer Familien.
Christine Braunert-Rümenapf, Berliner Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, beleuchtete die rechtlichen und strukturellen Entwicklungen in Berlin. Jane Morgenthal von Eltern beraten Eltern e.V. brachte die Perspektive der Selbsthilfe ein. Benita Eisenhardt vom Kindernetzwerk e.V. blickte auf zentrale Ergebnisse und offene Fragen der Tagung von 2016 zurück.
In zehn Arbeitsgruppen, den sogenannten Denkräumen, diskutierten die Teilnehmer*innen unter anderem über die Begleitung in Kita und Schule, die Entlastung von Familien und den Übergang ins Erwachsenenalter. Im Mittelpunkt standen konkrete Verbesserungsmöglichkeiten und eine stärkere Mitbestimmung der Familien. Die Ergebnisse der Tagung werden in Kürze in einer Broschüre veröffentlicht.
Die Wanderausstellung „anders als gedacht – Leben mit pflegebedürftigen Kindern“ ergänzte das Programm um Einblicke in den Alltag betroffener Familien. Durch die Veranstaltung führte die Journalistin und Autorin Barbara Zimmermann.
Die Fachstelle MenschenKind setzt sich für eine bessere Versorgung chronisch kranker und pflegebedürftiger Kinder in Berlin ein. Sie berät Fachkräfte, vernetzt Unterstützungsangebote und arbeitet an Lösungen für strukturelle Versorgungslücken. Erkenntnisse aus dieser Arbeit bringt sie in den Austausch mit Politik und Verwaltung ein.