Für die SAT.1-Reportagereihe „Die Herzblut-Aufgabe“ packten sechs Prominente in der Helios Klinik Berlin mit an und erlebten den anspruchsvollen und herausfordernden Alltag der Pflegerinnen und Pfleger (www.sat1.de/tv/die-herzblut-aufgabe-promis-in-der-pflege). Auch der deutsche Schlagersänger Patrick Lindner war dabei und stellte sich seiner Aufgabe als Pflegepraktikant.

Was hat Sie motiviert beziehungsweise was war der Auslöser, bei der TV-Reportage mitzumachen?

Patrick Lindner: Als Prominenter beziehungsweise als eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, bekommt man immer wieder die Gelegenheit, sich auch berufsfremd zu engagieren und viele Menschen zu erreichen.

Und gerade das Thema Pflege ist so wichtig und brisant, da musste ich einfach mitmachen.

Ich gebe allerdings ehrlich zu, dass ich einen kurzen Moment darüber nachgedacht habe, ob ich das alles kann und schaffen werde. Doch dann war schnell klar, dass ich bei diesem Projekt auf jeden Fall dabei sein und mich als Pflegehelfer einbringen möchte.

Wie wurden Sie auf die Arbeit im Krankenhaus vorbereitet?

Patrick Lindner: Wir hatten eine mehrtägige Schulung, in der wir auf die wichtigsten Dinge im Krankenhausablauf und in der Pflege vorbereitet wurden. So wurden wir zum Beispiel mit den Hygieneregeln vertraut gemacht, und wir erhielten eine Unterweisung in Erster Hilfe. Da wurde mir erst einmal bewusst, wie lange mein Erste-Hilfe-Kurs bereits zurückliegt, und dass ich ihn schon längst einmal hätte auffrischen sollen, um im Falle eines Falles besser gerüstet zu sein.

Wir bekamen während unserer Schnellschulung einen komprimierten Überblick über die wichtigsten Aufgaben des Pflegeberufs.

Denn natürlich kann man in so kurzer Zeit keinen wirklich umfassenden Einblick in den Pflegeberuf erlangen, der ja eine mehrjährige Ausbildung und Qualifikation erfordert.

Auf welcher Station waren Sie tätig und was waren Ihre Aufgaben?

Patrick Lindner: Ich war auf der HNO-Station und im Anschluss kurze Zeit auf der Adipositas. Im Übrigen wusste keiner von uns im Vorfeld, auf welcher Station er eingesetzt werden würde. Unsere Einsatzgebiete teilte man uns erst nach der absolvierten Schulung mit. Und jeder von uns hatte während des Pflegepraktikums auf den Stationen eine eigene qualifizierte Mentorin beziehungsweise einen eigenen Mentor an seiner Seite.

Meine Hauptaufgabe war es, die Vitalwerte der Patienten zu messen. Zu Beginn war ich etwas unsicher, da ich Angst hatte, ich könnte vielleicht etwas falsch machen. 

Denn man hat schließlich mit Menschen zu tun, die mir in dieser Situation voll vertraut haben.

Was waren die herausforderndsten und/oder berührendsten Momente?

Patrick Lindner: Man baut ja zu den Patienten eine gewisse Beziehung und ein Vertrauensverhältnis auf. Und so gab es immer wieder Situationen, in denen ich mitgelitten und gehofft habe, dass alles gut geht beziehungsweise wieder besser wird. Vor allen Dingen sehr junge Menschen, die kurz vor einer OP standen, haben mich berührt. Es ist mir jedes Mal doch ziemlich nahe gegangen, als ich sie zum Operationssaal fuhr.

Sowohl die menschliche als auch die emotionale Komponente, die der Pflegeberuf mit sich bringt, haben mich sehr bewegt.

Was nehmen Sie für sich ganz persönlich aus den Erfahrungen in der Pflege mit?

Patrick Lindner: Dadurch, dass ich so intensiv in den Pflegeberuf eintauchen konnte, wurde mir erst richtig bewusst, wie wichtig gute Pflege ist, was gute Pflege bedeutet und welche Herausforderungen zu meistern sind.

Mich haben die Pflegekräfte, die ihren Beruf mit so viel Leidenschaft und Herzblut ausüben, wahnsinnig beeindruckt.

Es war für mich eine tolle Erfahrung mitzuerleben, dass viele Pflegerinnen und Pfleger für ihren Beruf brennen, emotional sehr stark sind und sich nicht vorstellen können, etwas anderes zu machen. Obwohl sie tagtäglich oft einem sehr großen Stress und Druck und auch menschlichen Schicksalen ausgesetzt sind.

Wie ist Ihre Einschätzung: Hat sich das Image des Pflegeberufs beziehungsweise die Wahrnehmung des Pflegeberufs in der Öffentlichkeit durch die Corona-Pandemie verändert?

Patrick Lindner: Ja klar! Durch die Pandemie ist der Pflegeberuf voll in den Fokus geraten. Ich behaupte mal, jeder Einzelne von uns hat gemerkt, wie unverzichtbar die Menschen in der Pflege sind und welchen wertvollen Beitrag sie leisten. Zumal sie sich in dieser Pandemie Tag für Tag zusätzlichen Gefahren aussetzen.

Ich kann nur hoffen, dass die Aufmerksamkeit für die Pflege nachhaltig ist und auch wirklich etwas für die Pflegerinnen und Pfleger getan wird.

Ich habe viele Pflegefachkräfte kennengelernt, die mir erzählten, dass sie sich seelisch, emotional erpresst fühlen. Sie können nicht streiken und mal die Kliniken oder Pflegeeinrichtungen für einen Tag zumachen.

Und das weiß die Politik und nutzt es aus.

Denn die Pflegenden sind nicht in der Position, einfach alles hinzuschmeißen, wenn sie sich nicht gehört fühlen: dass ein Gehalt von 2500 Euro brutto nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren, dass die Arbeits- und Schichtzeiten einer Verbesserung bedürfen usw. Die Pflegenden tragen Verantwortung und können und wollen ihre Patienten nicht alleine lassen. Ich hoffe, dass wir durch ein solches TV-Projekt wie die Herzblut-Aufgabe mehr Menschen dazu bringen, über die Pflegesituation in Deutschland nachzudenken. Und dass noch mehr Menschen bewusst wird, dass es Veränderungen in der Pflege braucht.

Was sollte aus Ihrer Sicht dringend in der Pflege verbessert werden?

Patrick Lindner: Da ist sicher eine bessere Entlohnung zu nennen.

Zum anderen sind die Rahmenbedingungen des Pflegeberufs (wie Schichtarbeit, Wochenendarbeit, physische und psychische Belastungen usw.) gerade für junge Menschen auf der Suche nach ihrem beruflichen Weg nicht unbedingt attraktiv.

Der Pflegeberuf braucht in Zukunft unbedingt mehr Unterstützung. Und es werden viel, viel mehr Pflegende benötigt, die in den Pflegeberuf einsteigen müssten. Doch dazu muss der Pflegeberuf wieder deutlich attraktiver gestaltet werden.

Haben Sie sich schon mit dem eigenen Älterwerden beschäftigt? 

Patrick Lindner: Ich bin im September 61 Jahre alt geworden und gehöre zu den geburtsstarken Jahrgängen. In jüngeren Jahren ist das Älterwerden noch kein großes Thema, doch je älter man wird, umso mehr rückt auch das Bewusstsein, dass man – aus welchen Gründen auch immer – doch mal ganz plötzlich auf Pflege angewiesen sein könnte, in den Vordergrund. Ich mache mir schon Gedanken darüber, dass ich vielleicht doch irgendwann einmal in die Situation kommen könnte, in der ich gegebenenfalls Hilfe und Pflege in Anspruch nehmen muss.

Doch was passiert, wenn aufgrund des anhaltenden Pflegenotstands und der schlechten Rahmenbedingungen einfach fast niemand mehr da ist, der den Job in der Pflege ausübt oder ausüben will? Wer wird für uns später da sein, wenn wir Pflege benötigen?

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Fotos mit freundlicher Genehmigung: © SAT.1 Herzblut-Aufgabe – Promis in der Pflege/Fotograf: André Kowalski

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