Ein Leopard lugt aus dem Grün hervor – seine blauen Augen leuchten. Nadine hat ihn gemalt, und sie will damit Haltung zeigen. Große Raubkatzen, Tiere, die vom Aussterben bedroht sind, faszinieren Nadine. Sie malt sie, damit sie nicht vergessen werden. Das gilt auch Dinosaurier und überhaupt: gefährliche Tiere. „Nicht nur nette“, sagt Klaus Sievers. Er begleitet Nadine und verfolgt, wie sie auch durch Zeichnen ihre Sicht auf die Welt entwickelt. Nadine hat schon vor Jahren beschlossen, Künstlerin zu sein – ganz selbstverständlich, wie Sidney auch.

Im Studio 111 in Düsseldorf-Unterrath entsteht Kunst in einem natürlichen Sinne: unverstellt, eigenwillig. Nadines Leopard schaut einen an, als wäre er derjenige, der beobachtet.

Sidney hat Milch als Motiv gewählt. Sieben, acht Packungen, nebeneinander, übereinander – ein Motiv, das sich wiederholt und dabei nicht langweilig wird. Wer Warhol kennt, denkt sofort in diese Richtung. Sidney hat die Packungen im Atelier gesehen und angefangen zu malen. Serielle Kunst, entstanden aus dem Alltag des Raumes, in dem er sich bewegt.

Der Künstler Klaus Sievers hat lange für das Kulturamt gearbeitet, mit Kindern und Jugendlichen, in kreativen Projekten. Als er gefragt wurde, ob er die Menschen im Studio 111 begleiten wolle, sagte er zu – und arbeitet dort jetzt seit zwei Jahren. Was ihn bewegt, ist das, was er sieht: Menschen, die nicht sprechen können, aber malen müssen. „Sie können gar nicht anders“, erklärt Sievers. Er kommt aus dem akademischen Bereich, kennt die Techniken, den Hintergrund und die Geschichte. Aber hier arbeitet er mit Menschen, die aus sich selbst heraus gestalten – und er sieht Talente, die ihn immer wieder überraschen. Bei Nadine zum Beispiel: Sie denkt in großen Formaten. Die Vorzeichnung, die es für ein großes Bild braucht, macht er mit ihr gemeinsam. Aber wohin das führt – das bestimmt sie.

Gabi Luigs arbeitet als Kuratorin und Künstlerin zusammen mit Klaus Sievers, Conny Hellfeier und Mario Weinberg im Studio 111. Sie gehört ebenso zum Vorstand des Kunstvereins „the pool“ und hat jetzt eine Ausstellung in die Wege geleitet. Luigs erlebt, wie Kunst das Gehirn anregt – und was passiert, wenn ein Mensch mit einem anderen arbeitet:

„Es entsteht ständig etwas Neues, Anderes.“

Das Atelier 111 gibt es seit 1994. Es gehört zum Haus St. Josef, unter dem Dach des Deutschen Ordens – dem Ort, wo Sidney auch wohnt. Er kommt immer wieder von sich aus und probiert etwas aus. Das macht diesen Ort aus: freier Raum, der Möglichkeiten bietet  – und Betrachter staunen lässt, was daraus wird. Eines der Bilder hängt heute im Büro der Düsseldorfer Bürgermeisterin Clara Gerlach. „Die Werke würden aber auch in jede große Anwaltskanzlei passen. Und dafür braucht es keinen Mut“, sagt Klaus Sievers.

Das Studio 111 auf der REHACARE 2026

Werke des Studio 111 sind auf der REHACARE in Halle 7, Stand B09 zu sehen.

Studio 111, Haus St. Josef, Düsseldorf-Unterrath – Werke sind käuflich erwerbbar, Erlöse fließen in Projekte der Bewohnerinnen und Bewohner. behindertenhilfe-einrichtung.de

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