Prof. Dr. Ingo Froböse ist einer der führenden Gesundheitsexperten Deutschlands und seit 2023 Partner bei fischimwasser, der Kölner Denkfabrik für Gesundheitsförderung und Prävention. Er ist emeritierter Hochschulprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln und leitete dort bis 2023 das Institut für Bewegungstherapie. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist Ingo Froböse als Autor von Bestsellern zu den Themen Gesundheit, Ernährung und Sport. Zudem ist er ein gefragter Medienexperte. Er entwickelte die „Formel Froböse“, die den Menschen Kompetenzen in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Regeneration gibt und so für mehr Lebensqualität und Wohlbefinden sorgt. Für die Themen Gesundheitsförderung und Prävention setzt er sich außerdem in seinen weiteren Tätigkeiten, z. B. als Berater zahlreicher Krankenversicherungen und Sozialversicherungsträger sowie als Initiator vieler Institutionen, die sich um einen gesunden Lebensstil der Menschen kümmern, ein. Seine Vergangenheit ist vom Sport geprägt: Während der Studienzeit wurde er mehrfach deutscher Vizemeister im Sprint über 100 Meter, deutscher Vizemeister über 200 Meter und bei den Leichtathletik-Halleneuropameisterschaften 1982 in Mailand Vierter über 200 Meter.

Sie beschäftigen sich schon sehr lange mit Themen wie Lebensqualität, Wohlbefinden und gesunde Langlebigkeit (Healthy Longevity). Gab es einen Auslöser? Was ist Ihre Motivation, sich diesen Themen so intensiv zu widmen?

Prof. Ingo Froböse: Die Motivation für meine Arbeit schöpfe ich tatsächlich stark aus meinem familiären Kontext. Ich habe früh erlebt, wie unterschiedlich meine beiden Großmütter gealtert sind – und wie sehr Lebensstil die Qualität des Alterns beeinflussen kann. Während die eine bereits vergleichsweise früh mit vielen körperlichen Einschränkungen zu kämpfen hatte, war die andere bis ins hohe Alter voller Vitalität, Energie und Lebensfreude.

Sie wäre vermutlich noch älter geworden, wenn sie nicht unglücklich gestürzt wäre. Das war für mich ein wichtiges Signal.

Da ich mich schon immer für Biologie interessiert habe, begann ich früh darüber nachzudenken, was ein gesunder Lebensstil eigentlich bedeutet und wie wir Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit möglichst lange erhalten können. Dass ich diese Fragen später wissenschaftlich erforschen und weiterentwickeln durfte, hat meinem Leben einen roten Faden gegeben, den ich heute gerne weitervermitteln möchte.

Was sind aus Ihrer Erfahrung heraus die größten Einflussfaktoren für ein gesünderes, energetischeres, längeres Leben?

Prof. Ingo Froböse: Die wichtigsten Einflussfaktoren für Healthy Longevity liegen aus meiner Sicht in einer guten Kombination aus ausreichend Bewegung und Sport, einer vielfältigen und möglichst natürlichen Ernährung, ausreichend Schlaf und Regeneration, sozialer Eingebundenheit, Optimismus und – nicht zu vergessen – natürlich aus einem weitgehenden Verzicht auf Suchtmittel.

Sie waren als Leichtathlet erfolgreich. Was können wir vom Profi- bzw. Spitzensport lernen, um eine bessere Lebensqualität, mehr Wohlbefinden und auch Longevity zu erreichen? Und wie wirkt sich der Longevity-Trend auf unsere Gesellschaft aus?

Prof. Ingo Froböse: Vom Spitzensport können wir dabei sehr viel lernen. Dort wissen wir: Leistungsfähigkeit entsteht nur durch die richtige Balance aus Belastung und Entlastung, Beanspruchung und Regeneration. Gesundheit darf nicht dauerhaft verbraucht werden. Wer sich belastet, braucht zwingend auch Pausen. Im Spitzensport ist das nicht nur Tradition, sondern ein klares System. Regeneration wird dort geplant, weil nur in diesen Phasen Reparaturprozesse stattfinden und verbrauchte Ressourcen wieder aufgebaut werden können. Genau dieses Prinzip sollten wir dringend stärker in unseren Alltag übertragen.

Belastungen sind für den Organismus grundsätzlich meist gut tolerierbar – vorausgesetzt, die anschließende Regeneration findet ausreichend statt.

Wichtig ist mir dabei auch ein realistischer Blick auf das Thema Longevity. Irgendwann werden wir alle sterben – und auch das gehört zum Leben. Die Biologie hat es so eingerichtet, dass wir altern, und das ist grundsätzlich nichts Negatives. Healthy Longevity bedeutet für mich deshalb nicht, das Leben um jeden Preis zu verlängern. Es geht vielmehr darum, die Qualität der Lebensjahre zu verbessern, die wir haben. Deshalb finde ich den aktuellen Longevity-Trend grundsätzlich sehr positiv. Gerade in den vergangenen Jahren haben wir viele spannende wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen. Kritisch sehe ich allerdings die Vorstellung, dass einzelne Produkte oder Interventionen allein zu einem längeren oder besseren Leben führen könnten. Das ist aus meiner Sicht ein Irrtum – auch wenn entsprechende Angebote aktuell häufig so vermarktet werden. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel kann die Debatte dennoch hilfreich sein. Sie eröffnet vielleicht einen neuen, positiveren Blick auf das Altern. Alterungsprozesse sollten nicht bekämpft, sondern sinnvoll begleitet werden, damit Lebensqualität möglichst lange erhalten bleibt.

Für unsere Gesellschaft bedeutet das vor allem: Wir müssen das Wachstum chronischer Erkrankungen dringend begrenzen und Prävention viel stärker in den Mittelpunkt stellen.


Wir alle sind verschieden, haben unterschiedliche Bedürfnisse, Vorlieben, Stärken: Wie finde ich heraus, was mir persönlich besonders guttut? Und welche praxistauglichen Strategien kann jeder sofort anwenden?

Prof. Ingo Froböse: Natürlich sind Menschen sehr unterschiedlich. Dennoch gibt es einige grundlegende Maßnahmen, die nahezu für alle gelten.

Dazu zählen vor allem regelmäßige körperliche Aktivität im Alltag, möglichst wenig Inaktivität und lange Sitzzeiten, der Verzicht auf stark industriell verarbeitete Lebensmittel sowie ein möglichst bewusster Umgang mit Alkohol und Tabak. 

Gibt es Ratschläge oder Anregungen, die Sie insbesondere älteren Menschen ans Herz legen möchten?

Prof. Ingo Froböse: Gerade für ältere Menschen ist der Erhalt der Muskulatur entscheidend. Muskeln sind nicht nur Bewegungsorgane. Sie sind gewissermaßen ein Motor für Gesundheit, Selbstständigkeit und Wohlbefinden.

Nur mit ausreichend Muskelkraft bleiben Mobilität, soziale Teilhabe und die eigenen Hobbys langfristig möglich.

Herzlichen Dank für dieses Interview.

Fotocredits: © Sebastian Bahr

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