Pflegekräfte entlasten, Sicherheit stärken, mehr Zeit für das Wesentliche schaffen – das sind die Versprechen, die Künstliche Intelligenz in der Pflege einlösen soll. Drei Beispiele aus dem Healthcare iNNK Netzwerk zeigen, wie das heute schon funktioniert.
1) Der Haushalt als stiller Beschützer – Sicherheit durch Veli-KI
Was wäre, wenn der eigene Haushalt zur Schutzinstanz werden könnte, ganz ohne Kameras, tragbare Geräte oder aktive Bedienung? Genau das ist der Ansatz hinter Veli. Die selbstentwickelte KI analysiert bereits vorhandene Strom- und Wasserverbrauchsdaten in Echtzeit und erkennt Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf – etwa eine vergessene Herdplatte, eine Leckage oder einen Sturz einer alleinlebenden Person. Bei auffälligen Mustern werden Betreuungspersonal, Angehörige oder Hausmeister automatisch benachrichtigt.
Das Besondere: Veli lässt sich ohne Umbau sofort einsetzen und vereint Alltagssicherheit, Fachkräfteentlastung und Gebäudeschutz in einer Lösung. Führende Träger wie DRK, ASB, AWO und Caritas nutzen das System bereits. Ralf Pfannkuche, Geschäftsführer der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen, fasst zusammen:
„Veli erleichtert unseren Arbeitsalltag in den Häusern mit Service-Wohnen spürbar. Unsere Mieter fühlen sich sicherer, die Digitalisierung nimmt uns Arbeit ab – sei es in der Betreuung, der Haustechnik oder der Verwaltung.“
Interessierte finden unter: https://www.veli-care.de/ weitere Details zur Veli-KI-Lösung.
2) KI in der ambulanten Pflege – gedacht aus Sicht der Pflegebedürftigen
Rund ein Viertel ihrer Arbeitszeit verbringen ambulante Pflegekräfte mit Fahrten zwischen den Einsatzorten. Verzögert sich eine Tour, klingelt das Telefon – Zeit, die in der direkten Versorgung fehlt. Das Darmstädter Start-up Zenaris setzt genau hier an, und zwar direkt auf dem Fernseher im Wohnzimmer. Die KI erstellt aus der Einsatzplanung automatisch personalisierte Ankündigungen und spielt sie auf dem TV der Pflegebedürftigen aus: Wer kommt, wann, und ob sich etwas verschiebt – sichtbar ohne Anruf und ohne App. Im Schnitt 500 Interaktionen pro Woche und Gerät zeigen, dass der Kanal angenommen wird.
Fällt ein Besuch aus, springt ein KI-Avatar ein und führt aktivierende Gespräche in natürlicher Sprache – eine Brücke, wenn gerade keine Betreuungskraft da ist. Über die Lösung hat auch der Hessische Rundfunk berichtet.
Interessierte finden weitere Informationen auf zenaris.com.
3) KI entlastet Betreuungskräfte im Alltag – das Beispiel Media4Care
Künstliche Intelligenz kann Betreuungskräfte bei der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren spürbar entlasten – vorausgesetzt, sie setzt an den richtigen Stellen an. Media4Care zeigt, wie das konkret aussehen kann: Die digitale Plattform nutzt KI für die Aktivierungsplanung (passende Vorschläge für individuelle und Gruppenangebote), für die Überwindung von Sprachbarrieren durch KI-gestützte Übersetzung sowie für die strukturierte, MD-konforme Dokumentation.
Carsten Clanget, Geschäftsführer der Media4Care GmbH, betont dabei den entscheidenden Fokus:
„Unser Ziel ist es nicht, ein einzelnes KI-Modell für die Betreuung zu entwickeln, sondern KI-gestützte Lösungen, die in der sozialen Betreuung wirklich funktionieren und einen Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.“
Einfache Bedienbarkeit und die Integration in bestehende Systeme sind für ihn dabei ebenso entscheidend wie die enge Zusammenarbeit mit den Einrichtungen selbst.
Das komplette Interview finden Sie hier.
Fazit und Ausblick: KI in der Pflege – was jetzt zählt
Die drei Beispiele stehen nicht für vereinzelte Experimente, sie zeigen eine Richtung, in die sich die gesamte Pflegebranche bewegt. KI wird künftig kein Zusatz mehr sein, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil des Pflegealltags: in den Bereichen Sicherheit, der Einsatzplanung, der Dokumentation, der Betreuung und weit darüber hinaus.
Die Entwicklung verläuft dabei in zwei Dimensionen gleichzeitig: KI übernimmt repetitive oder zeitintensive Aufgaben und schafft damit Räume für das, was Maschinen nicht leisten können: menschliche Nähe, Empathie und Beziehungsarbeit. Das ist keine Bedrohung für Pflegeberufe, sondern eine Chance, sie wieder stärker auf das Wesentliche zu fokussieren.
Gleichzeitig wären falsche Erwartungen fehl am Platz. KI-Lösungen entfalten ihren Nutzen nicht automatisch. Sie müssen zu den Abläufen passen, von den Teams und den Nutzer:innen akzeptiert werden und datenschutzrechtlichen Anforderungen genügen. Der Einführungsprozess braucht Zeit, Ressourcen und eine klare Strategie. Wer KI nur als technisches Pilotprojekt versteht, wird den vollen Mehrwert nicht heben.
Was sollten Einrichtungen und Träger der Pflege also jetzt tun? Vor allem: anfangen, aber durchdacht. Konkret heißt das: Bedarfe identifizieren, Lösungen im kleinen Maßstab erproben, Mitarbeitende frühzeitig einbinden und Netzwerke wie das Healthcare iNNK nutzen, um von den Erfahrungen anderer zu lernen. Die Einrichtungen, die heute erste Erfahrungen sammeln, werden morgen einen klaren Vorsprung haben nicht nur in der Effizienz, sondern auch als Arbeitgeber, der moderne Arbeitsbedingungen bietet.
KI wird nicht alle Probleme der Pflege lösen, aber sie kann helfen, einen der anspruchsvollsten Berufe der Gegenwart menschlicher und nachhaltiger zu gestalten. Die Beispiele aus dem Healthcare iNNK Netzwerk zeigen: Es ist möglich. Es passiert. Und es lohnt sich, jetzt dabei zu sein.
