Jürgen Schmidt absolvierte von 1985-1988 eine Tischlerlehre, bevor er von 1988-1993 Architektur an der FH Dortmund studierte und mit Diplom mit Auszeichnung abschloss. 1993 folgte die Anstellung bei der Freies Institut für Krankenhausbau Planungsgruppe GmbH. 2007 machte er zusätzlich eine Ausbildung zum Sicherheits- und Gesundheitskoordinator (SiGeKo), und 2010 wurde Jürgen Schmidt in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen. Seit 2010 ist er Geschäftsführender Gesellschafter bei Krampe-Schmidt Architekten BDA in Bochum (www.krampe-schmidt.de). Zudem ist Jürgen Schmidt Mitglied der AKNW als Architekt. 

Florian Krampe absolvierte von 2006-2012 ein Architekturstudium an der Universität Stuttgart. Während des Studiums arbeitete er mit bei: Foster + Partners (London), igenhoven architects (Düsseldorf) und kaestle&ocker (Stuttgart). 2007 erhielt er ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes und machte 2012-2013 den M.Sc. in Environemtal Design and Engineering (University College London; Sutor Stipendium). 2013 erhielt Florian Krampe den Bundespreis Ecodesign. Von 2013-2015 war für blauraum (Hamburg) tätig und ist seit 2016 Geschäftsführer bei Krampe-Schmidt Architekten BDA in Bochum (www.krampe-schmidt.de). Zudem ist Florian Krampe Mitglied der AKNW als Architekt.

Im Bereich der Gesundheitsbauten ist es eminent wichtig, eine erfolgreiche Balance zwischen Kostendruck und der bestmöglichen medizinischen Versorgung zu gewährleisten. Wenn Effizienzsteigerungen der Betriebsmittel und der organisatorischen Abläufe an ihre Grenzen stoßen, wird es oft notwendig, auch die bestehenden baulichen Strukturen anzupassen. Was sind hier die größten Herausforderungen/Ziele, um den „Servicegedanken“ im Gesundheitswesen auch architektonisch nicht aus den Augen zu verlieren?

Forian Krampe: Für uns als Architekten ist es ein großes Ziel, die Wege für Patienten und Personal kurz und klar zu halten. Also zuerst dafür zu sorgen, dass die Wegestrukturen mit den Arbeitsabläufen übereinstimmen und das in der Grundrissstruktur abzubilden. In einem zweiten Schritt können wir uns dann um die Gestaltung kümmern. Und dafür sorgen, dass beispielsweise Wartebereiche eine angenehme Atmosphäre bekommen. 

Jürgen Schmidt: Und das muss nicht unbedingt eine Geldfrage sein. Wenn wir eine Station umbauen haben wir als Architekten es im Griff, wo der Wartebereich für Patienten ist und wo ein untergeordneter Funktionsraum. Wir treffen immer wieder auf ungünstige Strukturen, die sich im Laufe der Jahrzehnte in den Häusern gebildet haben und die einfach so akzeptiert werden. Aber für das gleiche Geld kann ich den Wartebereich ans Fenster legen und nicht wieder den Lagerraum – weil der dort schon immer war. 

Wie können/sollen dabei bereits im Planungsprozess die Nutzerbelange berücksichtigt werden?

Florian Krampe: Wir führen intensive Nutzergespräche mit dem Pflegepersonal und den Ärzten, und diese Vorgehensweise kommt bei unseren Bauherren durchweg sehr gut an. Das ist leider nicht selbstverständlich. Allzu oft wird noch von oben herab entschieden. Interessanterweise spricht man auch selten mit denjenigen, um die sich alles dreht: die Patienten. Diese Gruppe ist nur schwer greifbar.

Jürgen Schmidt: Wenn in solchen Abstimmungsrunden jemand sitzt, der einmal selbst Patient war, hilft das. Und natürlich teilen und diskutieren wir persönliche Erlebnisse, die unsere Kolleginnen und Kollegen bei Krankenhausbesuchen machen. Vieles, was dann positiv auffällt, ist noch nicht einmal krankenhausspezifisch, sondern betrifft einfache Raumqualitäten, die wir als Architekten aus dem Effeff beherrschen. 

Nicht zuletzt kommt es auf die Nutzer selbst an.

Nach meiner Erfahrung gibt es zwei Gruppen: Die eine weiß genau, was sie will, kennt sich aus mit Prozessschritten und Methoden. Mit dieser Gruppe ist es relativ leicht, ein Gespräch zu führen und die Ergebnisse dann auch umzusetzen. Daneben gibt es eine zweite Gruppe, die nicht so recht weiß, was sie will und dann oft zu sehr auf dem Bestehenden beharrt. Auf solche Gespräche bereiten wir uns intensiv vor, bringen eigene Lösungen und Beispiele mit. Nichts ist schlimmer, als ein Projekt umzusetzen, das zu keiner funktionalen Verbesserung führt. So etwas wird viel zu oft einfach hingenommen. 

Welchen Stellenwert nehmen dabei heutzutage die Themen Klimafreundlichkeit und nachhaltige Materialien ein? 

Jürgen Schmidt: Ressourcenschonendes Bauen hat im Krankenhausbau erhebliches Potenzial. Wir sind große Freunde von Umnutzungen und Erweiterungen. Betrachtet man die Umweltauswirkungen als Ganzes, ist es fast immer besser ein Bestandsgebäude zu sanieren, als es abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Wenn wir neu bauen, versuchen wir daher, künftige Nutzungen bereits heute mitzudenken, beispielsweise durch großzügige Raumhöhen.

Florian Krampe: Selbstverständlich erreichen auch Krankenhäuser heutzutage einen hohen Standard bei der Energieeffizienz. Wo immer möglich, kommen schadstoff- und emissionsarme Materialen zum Einsatz.

Letztendlich ordnen sich aber gerade im Krankenhausbau Themen wie Klimafreundlichkeit und nachhaltige Materialien den Prozessqualitäten, der Hygiene und dem Brandschutz derzeit noch unter.

Darüber hinaus ist umweltschonendes Handeln offenbar noch kein bedeutender Marketingfaktor wie in anderen Branchen. Dementsprechend konnte sich das Thema „Green Hospitals“ bislang nicht recht durchsetzen. Wir hoffen dennoch darauf, dass das Thema künftig auch im Bereich Gesundheitsbauten an Bedeutung gewinnen wird.

Ob Neubau, Umbau oder eine Erweiterung der gezielte Einsatz von Licht, Farben, modularen Konzepten ist aus der aktuellen Gesundheitsbauarchitektur nicht mehr wegzudenken. Welche neuesten Trends und innovativen Konzepte gibt es?

Florian Krampe: Wir sehen im Krankenhausbau vor allem langfristige Trends. Ganz oben auf der Agenda stehen qualitätvoller gestaltete Räume, nicht nur für die Patienten, sondern auch für das Personal. Dazu gehören hochwertige Oberflächen und eine ruhige Akustik. Auch gutes Licht, sei es durch Tageslicht oder eine bessere künstliche Beleuchtung sind entscheidende Themen. So werden zum Beispiel OP-Säle vermehrt an die Fassade gelegt um den OP-Teams eine natürliche Belichtung und einen Sichtkontakt nach außen zu ermöglichen. 

Jürgen Schmidt: Die Häuser haben einen immer größeren Flächenbedarf. Eine derzeit viel diskutierte Möglichkeit ist der Modulbau mit seinen kurzen Bauzeiten. Das kann sich lohnen, wenn man als Betreiber Betten- oder Nutzungsausfälle einkalkulieren muss. Konventionelles Bauen mit Fertigteilen ist preislich deutlich günstiger, dauert aber länger. 

Wir verfolgen daher die Aufstockung von Bestandsgebäuden im laufenden Betrieb sehr hartnäckig.

Was vor zehn Jahren noch kein Thema war, wird heute durch neue leichte Bauweisen möglich. Man gewinnt dadurch nicht nur zusätzliche Fläche, sondern auch Räume mit hoher Aufenthaltsqualität und oftmals einen hervorragenden Blick über die Stadt. Solche Aufstockungen sind daher ideal z. B. für Komfortbereiche – und damit ein echter Marketingfaktor. 

Darüber hinaus geht der Trend in Zeiten des Fachkräftemangels zu größeren Stationen, die sich mit weniger Personal betreiben lassen. Darauf reagieren wir mit übersichtlicheren Grundrissen.

Wie sich die neuen Personaluntergrenzen auf die räumliche Gestaltung von Pflegestationen auswirken bleibt abzuwarten.

Wie lässt sich architektonisch die Lebensqualität und das Wohlbefinden von Patienten, Personal und Besuchern steigern? Wie sieht aus Ihrer Sicht das Krankenhaus oder Pflegeheim der Zukunft aus?

Florian Krampe: Krankenhäuser bekommen zunehmend einen Hotelcharakter. Für Pflegeheime gilt ähnliches, hier wird eine privatere Wohnatmosphäre angestrebt. Heute werden Krankenhäuser vielerorts noch als reiner Funktionsbau betrachtet. Doch die Patienten haben andere Bedürfnisse. Neben den bereits erwähnten Raumqualitäten wird der Außenbezug auf das Gesamtgelände wichtiger. Das sieht man beispielsweise bei dem von uns gebauten Rheumazentrum Ruhrgebiet, das bewusst in einen kleinen Park mit entsprechender Aufenthaltsqualität eingebettet wurde.

Welche Rolle nimmt der Architekt bei der Planung und Umsetzung von Gesundheitsbauten ein?

Jürgen Schmidt: Eine sehr wichtige: Der Architekt koordiniert die Planung. Medizin, Pflege, Wirtschaftlichkeit, Brandschutz, Statik u.v.m. – nirgendwo im Baugeschehen müssen so viele Interessen moderiert, gewichtet und zu einem harmonischen Gesamtpaket zusammenführt werden wie im Gesundheitsbau. Hinzu kommt eine weitere, extrem wichtige Rolle: die des Moderators zwischen Nutzern und dem Bauherrn. Denn nur so entsteht ein Gebäude, das den Menschen umfassend hilft. 

Besten Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

Fotos: Hans Jürgen Landes

2 Kommentare
    1. Ja, im letzten Jahr haben wir beispielsweise “Widumer Höfe” in Herne errichtet. Dort wurde ein altes Krankenhaus umgenutzt. Es entstand die Seniorenwohnanlage sowie eine Krankenpflegeschule. Wir werden das Gebäude – sofern es die Situation zulässt – beim Tag der Architektur vorstellen:
      https://www.aknw.de/baukultur-in-nrw/tag-der-architektur/tag-der-architektur-2020/tag-der-architektur-2020/detail/?tx_pxtagderarchitektur_pi1%5BedId%5D=4676&cHash=f26d05b9f7ceeaefb29b2293a19cf28e

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