15.05.2018
Kategorie: MM Marktentwicklung, WP Wohnformen, AI Innenarchitektur, AI Produktnews
Kerstin Lötzerich-Bernhard

„Die Mittel, um Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und Demenzkranke im Alltag zu unterstützen, sind in vielen Punkten ähnlich.“

Ein erfolgreiches Quartier lebt immer auch von gemeinsam genutzten Angeboten und Orten, dort wo die Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlichen Alters zusammenkommen. Es lebt von der Gemeinschaftlichkeit, die der Anonymität, wie wir sie nicht selten heutzutage in Städten finden, entgegensteht. „Das Wichtigste ist, dass man sich kennt, voneinander weiß und gut vernetzt ist“, sagt Stefanie Walther, Geschäftsbereichsleiterin Bildung und Erziehung der Diakonie Düsseldorf. Genau das macht ein Quartier lebendig, denn durch eine gute Vernetzungsarbeit erreicht man die Menschen.  


Thimo Franke

Carsten Rinsdorf

O.Novo Kids Kollektion

Einen hohen Stellenwert haben dabei auch Kindertagesstätten und Kindergärten, die, neben Pflegeeinrichtungen und altersgerechten Wohnungen, einen festen Platz in einem Quartier haben sollten. „Wir verstehen alle unsere Kitas als Familienzentren mit zusätzlichen Räumen, die in einen Stadtteil strahlen und durch Angebote in den Einrichtungen jüngere und ältere Menschen, Familien und Alleinstehende usw. zusammenbringen und verbinden können. Und das Konzept geht auf“, ergänzt Stefanie Walther.

 

Eine wichtige Rolle in Kitas spielen auch Produkte und Materialen. Nicht nur, dass für die Kinder alles gut erreichbar, sprich in ihrer Höhe und auf ihre Bedürfnisse und auf das kindliche Verstehen und Lernen ausgerichtet, gestaltet sein sollte. Auch Materialien sind wichtig, die besonders hygienisch sind, eine entsprechende Qualität haben, sich zudem möglichst langsam abnutzen aber trotzdem eine für Kinder angenehme Haptik besitzen, sich gut anfühlen. „Hier können wir auf unsere langjährige Erfahrung zurückgreifen. Daraus haben wir eigene Rahmenvereinbarungen formuliert, in die unsere Qualitätsansprüche eingeflossen sind. Außerdem haben wir ein eigenes Einkaufsmanagement und arbeiten mit ausgewählten Firmen und Lieferanten zusammen, die wir bereits viele Jahre kennen“, so Stefanie Walther weiter.

 

Spannt man den Bogen von der Kita zum Pflegeheim, von den Kindern zu den Alten, ergeben sich einige Parallelen. Betrachtet man beispielsweise das Thema „Körperhygiene und Sanitärbereich“, lernen Kinder alles neu und zum ersten Mal (z. B. den Toilettengang, das regelmäßige Zähneputzen, die richtige Benutzung der sanitären Anlagen, Händewaschen usw.). Bei älteren Menschen ist es im Gegensatz dazu eher ein Wiedererlernen. Vor allem, wenn sie körperlich eingeschränkt sind oder demenzielle Symptome zeigen. Beim Wiedererlernen unterstützen, wie bei den Kindern, ansprechende, leicht verständliche Formen- und Farbensprachen, als wohltuend und positiv empfundene Materialien und Oberflächen sowie Produkte, Produktabmessungen und Funktionen, die auf die Ansprüche von Jung oder Alt abgestimmt sind. Das fördert die Eigenständigkeit und Selbstständigkeit.

 

Denn egal, ob wir von Kindern oder den Älteren sprechen: „Essenziell ist, dass sich sowohl die Kinder als auch die älteren Menschen wohlfühlen, dass sie möglichst selbstbestimmt handeln können, ernst genommen und mit Würde behandelt werden. Essenziell ist, dass sowohl die Kinder als auch die Älteren unterstützt werden, Dinge so viel wie möglich bzw. so lange wie möglich selbst zu machen,“ resümiert Stefanie Walther.

 

Ein Beispiel erfolgreicher Produktentwicklung für und zur Förderung von Kindern liefert Villeroy & Boch. Gleichzeitig wird offensichtlich, wie viel wir doch von Kindern lernen können und dass die Bedürfnisse und Ansprüche der Kinder in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich denen von älteren Menschen sind.

 

Warum beschäftigt sich V&B mit dem Thema Kinder bzw. speziell dem Marktsegment „Kinder und Sanitär“?

 

Thimo Franke: Das Projektgeschäft und insbesondere die öffentliche Bauwirtschaft ist für Villeroy & Boch ein interessanter Wachstumsmarkt. Wir spezialisieren uns daher unter anderem auf Planer und Architekten und entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für die Umsetzung ihrer Ideen:  Sei es durch Systemkollektionen wie Architectura oder die barrierefreie Serie O.novo Vita. Da war es nur konsequent, die gewonnene Kompetenz auch im Kindergarten-Bereich einzusetzen, um ein Produkt zu entwickeln, das unseren Ansprüchen an Funktionalität und Design entspricht.

 

 

Warum und wie kam es zu den O.novo Kids-Produkten? Was zeichnet diese Produkte aus?

 

Thimo Franke: Wir wollten in erster Linie eine keramische Kollektion entwickeln, die Kinder in ihrer Lernentwicklung unterstützt und die selbständige Nutzung der Sanitärbereiche nicht nur ermöglicht, sondern auch fördert. Dazu haben wir Pädagogen, Architekten, Designer und natürlich auch Kinder mit in den Entwicklungsprozess eingebunden. Für den ersten Entwurf aktivierte Villeroy & Boch über einen Crowdstorm die Kreativ-Community und selektierte aus 51 Entwürfen letztendlich drei Designs, die die Basis der neuen Badkollektion bildeten. Die Entwürfe wurden anschließend von Erzieherinnen und Kindern getestet. Deren Feedback wurde dann erneut in den Entwicklungsprozess eingebracht. Grundsätzlich stand dabei eines immer im Fokus: der Spaß und damit die Akzeptanz der Kinder.

Das Ergebnis ist eine Kollektion mit Reihenwaschtisch, kindgerechten Armaturen, einem Kinder-Wand-WC, einem Kleinkind-Stand-WC sowie dazu passenden, altersgerechten Sitzen und Betätigungsplatten. Teil der Kollektion ist ein durchgängig abgestimmtes Farbkonzept, das zusammen mit Kindern entwickelt wurde. Die lebendigen Blau-, Gelb- und Rottöne waren die Favoriten einer Testgruppe. Mit Signalfarben lenken die Armaturen und Betätigungsplatten der WCs die Aufmerksamkeit auf ihre Funktion. Selbst die Sitzringe weisen mit den Farben Rot, Blau und Gelb auf unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten durch die Kinder hin.

 

 

Und was unterscheidet die Produkte vom Wettbewerb?

 

Thimo Franke: Bei unseren Gesprächen mit Erzieherinnen wurden zwei Dinge deutlich, die zentral für Bäder in Kindergärten sind: die Autonomie der Kinder sowie Hygiene im Bad. Diese beiden Faktoren waren zentral für unsere Produkte und spiegeln sich dementsprechend auch an zahlreichen Stellen wider. Einmalig auf dem Markt ist beispielsweise der Reihenwaschtisch aus Keramik, der nicht nur drei Höhen für Kinder verschiedener Altersklassen bietet, sondern auch entsprechende Tiefen. Damit können auch kleinere Kinder zum Händewaschen eigenständig die Armatur erreichen. In der Praxis bestätigt sich dieser Ansatz, da die Kinder intuitiv den für sie passenden Bereich am Waschtisch nutzen. Denselben Ansatz verfolgt das Kinder-WC der Serie. Durch den WC-Sitz für verschiedene Altersstufen sowie die unterstützenden Haltegriffe schaffen es Kindergartenkinder nach einer kurzen Eingewöhnungsphase früh, den WC-Gang selbstständig zu erledigen.

Das keramische Material bietet darüber hinaus einen Hygienevorteil: Alle Keramikelemente von O.novo Kids sind auf Wunsch auch mit der speziell veredelten Oberfläche CeramicPlus ausgestattet, die dafür sorgt, dass Waschtische und WCs leichter und ohne aggressive Putzmittel gründlich zu reinigen sind. Das ist umweltfreundlich und spart Zeit und Geld. Darüber hinaus kann die antibakterielle Oberflächentechnologie AntiBac sowohl für Keramik als auch für WC-Sitze verwendet werden. Dazu erleichtert das Kinder-Wand-WC durch sein spülrandloses Design die gründliche Reinigung.

 

 

Welche Architektursprache ist für Kinder besonders geeignet?

 

Carsten Rinsdorf: Die Formensprache der Architektur sollte einfach und nicht überfrachtet sein, um Freiräume für Kinder zu schaffen. Der gleiche Grundsatz gilt auch für das Thema Farbe: Wir setzen Farben gezielt und nicht übertrieben ein, damit sich Kinder eigenständig entwickeln und verwirklichen können. Einfache und klare Strukturen sorgen dann für die notwendige Orientierung. Grundsätzlich gilt aber: Dort, wo Kinder die Welt erfahren und begreifen, spielen alle Details eine besondere Rolle. Denn die Qualität von Materialien, Farben und Oberflächen prägt die frühe Entwicklung der Kinder.

Entscheidend für die Architektursprache und die Konzeption der Räume des Kindergartens ist aber auch das dahinterstehende pädagogische Konzept. Daran orientiert sich beispielsweise die Ausrichtung der Räume oder Angebote zum spielerischen Lernen. Generell geht es immer darum, den Kindern gewisse Werte und Fähigkeiten zu vermitteln.

 

 

Und wie sollten kindgerechte Räume optimalerweise konzipiert sein?

 

Carsten Rinsdorf: Die „Innenraumgesundheit“ ist ein zentraler Aspekt im Kindergartenbau. Wir arbeiten daher sehr gerne im Holzrahmenbau, unter der Verwendung natürlicher Baustoffe und atmungsaktiver Bauteile. Alle Materialien sind geprüft: Ausdünstungen oder ähnliches werden vermieden, damit die Kinder schon in der frühen Phase ihres Lebens in einer sauberen und sicheren Umgebung aufwachsen dürfen. Dazu gehört auch, dass die Räume hell und freundlich gestaltet sind sowie viel Licht und eine gute, gesunde Beleuchtung vorhanden ist. Um Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen und Erholung zu ermöglichen, sollten Ruhe- und Schlafräume niemals in der Nähe von Spielbereichen liegen, sondern immer leicht abgeschottet. Außerdem muss Raum für die Differenzierung der zum Teil großen Gruppen geschaffen werden. Daneben ist auch der Sicherheitsaspekt wichtig: Wir verbauen z. B. einen Klemmschutz an den Türen und Fenstern und installieren an Treppen einen zweiten, niedrigeren Handlauf. Nicht zu vernachlässigen sind gut und schnell erreichbare Toiletten. Denn sonst ist bei Kindern oft der Weg das Ziel!

 

 

Kann man auch Parallelen zwischen Kindern und den Bedürfnissen älterer Menschen ableiten?

 

Thimo Franke: Da Handlungsabläufe von Kindern erst gelernt werden müssen, die im Alter wiederum schwerer fallen, sind Raumkonzepte notwendig, die die Nutzung erleichtern und den Nutzer soweit es geht unterstützen. Interessanterweise konnte Villeroy & Boch sowohl mit der barrierefreien Kollektion O.novo Vita und der neuen Kinder-Kollektion O.novo Kids die Jury des Universal Design Awards aus diesen Gründen überzeugen.

 

Carsten Rinsdorf: Die Bedürfnisse und Strukturen sind oft sehr ähnlich. Barrierefreiheit ist bei älteren Menschen wichtig –  analog zu Kindern. Bei Kindern spielt darüber hinaus die Erreichbarkeit, Größe und Bedienung eine zentrale Rolle. Klare Farben und Formen sind für beide Nutzergruppen besonders wichtig: bei Kindern zum ersten „Erlernen“ und bei Älteren zum „Wiedererlernen“. Die Mittel, um Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und Demenzkranke im Alltag zu unterstützen, sind in vielen Punkten ähnlich. Einfache und klare Strukturen helfen zum Beispiel sowohl Kindern als auch älteren Menschen bei der Orientierung im Gebäude.

 

Info: Villeroy & Boch ist eine der weltweit führenden Premium-Marken für keramische Produkte. Das im Jahr 1748 gegründete Familienunternehmen mit Hauptsitz in Mettlach/Deutschland steht für Innovation, Tradition und Stilsicherheit. Als renommierte Lifestyle-Marke ist Villeroy & Boch mit Produkten der Bereiche Bad und Wellness sowie Tischkultur in 125 Ländern vertreten.

Thimo Franke, ist Vertriebsleiter Objekt bei Villeroy & Boch. Carsten Rinsdorf von RSArchitekten, Lippstadt, ist mit seinem Büro unter anderem spezialisiert auf das Thema Holz- und Kindergartenbau.

 


Keine Kommentare

Keine Kommentare gefunden.
Falls Sie einen Kommentar abgeben wollen, müssen Sie sich vorher einmalig registrieren.
 
IM INTERVIEW
17.10.2018
Eva-Luise Köhler

Ehrlich gesagt spreche ich nicht von Umgang mit Menschen, sondern vom Miteinander. Das heißt allerdings nicht, dass Menschen im Miteinander nicht oftmals hinten runterfallen. ...


IM BLICKPUNKT
15.10.2018
ARD/ZDF-Onlinestudie 2018

In diesem Jahr sind demnach 63,3 Millionen Menschen in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren online, dies entspricht einem Anteil von 90,3 Prozent. Die Steigerung liegt ...


NEUESTE BEITRÄGE
16.10.2018
Professionelles Einrichtungskonzept als nachhaltiger Erfolgsfaktor in der Pflege – Wie wichtig eine gute Einrichtungskonzeption für die Außenwirkung, Mitarbeiterbindung und die Bewohner sind

Professionelles Einrichtungskonzept als nachhaltiger Erfolgsfaktor in der Pflege – Wie wichtig eine gute Einrichtungskonzeption für die Außenwirkung, Mitarbeiterbindung und ...


05.10.2018
BIOLOGISCH WIRKSAMES LICHT ERSTMALS FÜR DEN MOBILEN EINSATZ

Die Stehleuchte Vivaa Free macht biologisch wirksames Licht für alle Menschen in allen Räumen zugänglich. Das lichttechnische Know-how wird nun in der wohnlichen Stehleuchte ...


24.09.2018
Intuitive Orientierungshilfen

Das Klo vor lauter Schildern nicht mehr sehen Statt vor der Badezimmertüre einen Schilderwald zu installieren, kann man beispielsweise die Türe offen stehen lassen. Ein ...


14.09.2018
„Unsere Mitarbeiter geben an, dass sie in den Mittagsstunden kaum mehr müde sind und vor allem nachts besser schlafen.“

In welchen Bereichen (öffentlich/nicht öffentlich) wird VTL (Visual Timing Light) bei Ihnen überall eingesetzt?  Gerd Bekel: VTL wird bei uns flächendeckend in beiden ...


04.09.2018
Gesundheitsversorgung 4.0 - Pflegebetten im digitalen Zeitalter

Seit 2016 wird vom Verein Oberfranken Offensiv das Projekt "Gesellschaft 4.0 - Digitale Kommune" gefördert. Im Rahmen eines Wettbewerbs hatten sich die Stadt Wallenfels ...


Xing
LinkedIn Logo