29.02.2012
Kategorie: WP Internationale Konzepte, FT Medizin, PG Gesellschaft
Carolina Heske

Preisgekrönter Kinofilm „Out Of The Darkness“ dokumentiert ärztliche Hilfe für junge Blinde im Himalaya

Mädchen und Jungs, die schon in Kindertagen erblinden, gehören im Himalaya zum Alltag. Ursache sind vor allem Mangelernährung, die UV-Strahlung in der Höhe von tausenden Metern sowie Dehydrierung. Doch in der Abgeschiedenheit der faszinierenden Bergwelt mangelt es an Pflege schon für junge Hilfsbedürftige. Die international bereits mehrfach preisgekrönte Kinodokumentation „Out Of The Darkness – der Weg ins Licht“ berichtet ab Ende März über den selbstlosen Einsatz zweier Ärzte, die nach einem langen Fußmarsch zu den Blinden kommen, um sie in einem mobilen Operationscamp zu behandeln.


Mit einer kompletten Krankenhaus-Ausrüstung auf dem Rücken seiner einheimischen Helfer wandern der nepalesische Augenchirurg Dr. Sanduk Ruit und sein amerikanischer Kollege Dr. Geoff Tabin (Foto links) durch das Hochland des Himalayas. Nach dem mehrtägigen Fußmarsch baut das Team in einem abgelegenen Bergdorf im östlichen Nepal ein Operationscamp auf. Viele Hunderte von erblindeten Menschen warten geduldig, um sich operieren zu lassen. Sie leiden am Grauen Star. In den Industriestaaten eine Alterserkrankung, sind in armen Ländern auch jüngere Menschen betroffen, sogar viele Kinder: Die Erkrankung, bei der sich die Linse trübt, kann durch die starke UV-Strahlung der Höhenlagen und durch Mangelernährung ausgelöst werden.

Auf dem Rücken tragen Söhne ihre Mütter, Väter ihre Töchter zur ersten Untersuchung ins Camp. Die Erblindeten sind auf die Hilfe ihrer Familienmitglieder angewiesen und leben in den kleinen Hütten der Dörfer im Verborgenen. Fast immer sind sie der Familie eine Last, da sie nicht für sich selbst sorgen können. Für die armen Landbewohner kommt eine mehrtägige Reise mit einer teuren Operation im Krankenhaus der Hauptstadt Kathmandu jedoch nicht in Betracht. So geht es auch der kleinen Sangeeta (auf dem Plakat mit verbundenen Augen, auf dem äußeren Foto links), die von ihrer Mutter ins Operationscamp geführt wird.

In dem Camp, in der Nähe seines Heimatdorfes, behandeln Dr. Ruit und sein Team die Erblindeten nach aktuellem medizinischem Standard. Der Chirurg operiert mit einem kleinen Schnitt und mit Linsenimplantaten, die ins Auge eingesetzt werden. Diese werden in seinem speziell eingerichteten Labor in Kathmandu kostengünstig hergestellt. So kann Dr. Ruit im Camp binnen fünf Minuten für 20 € tätig werden. In einer westlichen Klinik würde die Operation zwischen 1.000 und 5.000 € kosten...

In Dr. Ruit, der im Hochland an der Grenze zu Tibet geboren wurde, sehen die Einheimischen den Retter aus einer ausweglosen Situation: Der Teufelskreis aus Erkrankung, gesellschaftlicher „Nutzlosigkeit” und Verarmung hat für das zweitärmste Land der Welt fatale Folgen. Für Dr. Ruit ist die Heilung von reversiblen Augenkrankheiten in der dritten Welt aber ein absolut notwendiger Schritt, um den Kampf gegen die Armut zu gewinnen. Mit seinem einzigartigen medizinischen Projekt will der Arzt den Bewohnern der Region den Weg zurück in ein selbst bestimmtes Leben ebnen.

Was auch für ihn persönlich ein langer Weg war: 1986 entwickelten Dr. Ruit und der australische Professor Dr. Fred Hollows ihre spezielle Operationsmethode, die es den Patienten ermöglicht, nach einer etwa fünfminütigen Operation direkt aufzustehen. Zuvor waren nach einer Operation des Grauen Stars mehrere Tage Bettruhe erforderlich. Mit einigen Gleichgesinnten gründete  Ruit 1994 das Tilganga Eye Center, um die günstigen Operationen anzubieten. Im ersten halben Jahr mussten die Operationen heimlich durchgeführt werden, da sie als medizinisch riskant eingestuft wurden. Doch seine Methode setzte sich durch, und so trainiert Dr. Ruit mit seinem Team heute sogar Angehörige des medizinischen Personals der US-Streitkräfte in seiner Methode.

Ein abenteuerliches „Himmelfahrtskommando“ war der Einsatz im Himalaya – genau, wie auch der Dokumentarfilm selbst. Denn nur unter großen Entbehrungen, ohne jegliche Filmförderung oder Fernsehbeteiligung ist mit dem Engagement des Kölner Regisseurs Stefano Levi, seines Teams sowie der Produzenten Werner Kubny und Per Schnell ein bildgewaltiger und berührender Film im Hochland des Himalayas entstanden, der im Kino sein ganzes Potenzial entfaltet. Es gelingt dem Team, trotz der Fremdheit der anderen Kultur, den Menschen in eindrucksvollen Szenen von großer Emotionalität ganz nah zu sein.

Eine Mühe, die bereits international preisgekrönt wurde: „Out Of The Darkness“ lief weltweit bisher auf 17 Festivals und gewann dort sechs Trophäen, darunter drei in den USA und eine beim Amsterdam Filmfestival 2011.

Im Verleih von Barnsteiner-Film startet der außergewöhnliche 79-Minüter am 29. März 2012 in deutschen Kinos. Wo Sie Lichtspielhäuser in Ihrer Nähe finden, dazu gibt dann zum Start u.a. die Internetsuchmaschine www.kino-zeit.de mit ihrem Kinofinder Auskunft.

Trailer und mehr Infos schon jetzt auf der Film-Homepage.

 

FOTOS: Barnsteiner-Film


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