16.05.2018
Kategorie: FT Digital World, PA Blickpunkt
Tanja Ehret

Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet großes Potenzial - Gaffal: "Unternehmen sollten sich mit neuen Möglichkeiten auseinandersetzen"

Der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft sieht durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen großes Wertschöpfungspotenzial. "Die Gesundheitswirtschaft ist ein großer und heterogener Bereich, für den die Digitalisierung Chancen aber auch Herausforderungen bietet. Eine Branche, die die Auswirkungen der digitalen Transformation bereits stark spürt, ist die Versicherungswirtschaft", sagt Alfred Gaffal, Präsident der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. und Zukunftsrats-Vorsitzender. 


Krankenversicherungen können beispielsweise individuellere Tarife anbieten, weil sie durch Datennutzung und -auswertung bessere Möglichkeiten zur Risikobewertung haben. "Auch die internen Geschäftsabläufe und der Kundenkontakt können durch digitale Technologien effizienter und attraktiver ausgestaltet werden", betont Gaffal. 

 

Das verändert laut Zukunftsrat aber auch die Anbieter-Landschaft: Start-ups und neue Akteure, wie die erste digitale private Krankenversicherung, fordern gewachsene Unternehmen heraus. "Der Zukunftsrat hält es vor diesem Hintergrund für den richtigen Weg, dass die vielen in München ansässigen Versicherungsunternehmen das Thema Digitalisierung gemeinsam bearbeiten und insbesondere auch ein Start-up-Programm aufgelegt haben", erklärt Gaffal. Er empfiehlt, dass auch andere Unternehmen Kooperationen suchen und sich aktiv mit neuen Möglichkeiten, etwa durch Blockchain, auseinanderzusetzen. 

 

"Staat, Wirtschaft und Gesellschaft haben ein vitales Interesse daran, dass die Zukunftsfähigkeit unserer Gesundheitsversorgung gesichert wird und gleichzeitig möglichst viel Wertschöpfung am Standort entsteht. Die Digitalisierung bietet dafür großes Potenzial", so Gaffal. 

 

Der Zukunftsrat macht daher das weite Feld der Gesundheit zu seinem aktuellen Schwerpunktthema. Am 16. Juli 2018 werden die Ergebnisse einer neuen Studie und seine darauf aufbauenden Handlungsempfehlungen vorgestellt. 

 

Über den Zukunftsrat: Der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft wurde im Mai 2014 von vbw Präsident Alfred Gaffal initiiert. Er hat gemeinsam mit dem Präsidenten der Technischen Universität München, Professor Wolfgang A. Herrmann, den Vorsitz des Gremiums inne. Darüber hinaus gehören dem Zukunftsrat weitere Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Staatsregierung an. Das Gremium versteht sich als Impulsgeber für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Technologie- und Innovationsstandorts Bayern. 

 

Weitere Informationen: www.vbw-bayern.de/ZKR_Versicherung 


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Tanja Ehret
Tanja Ehret, CareTRIALOG Redaktion
tanja.ehret@caretrialog.de
Monday, 11.06.18 16:03 Uhr

Hauptstadtkongress zeigt: Digitalisierung ist Chefsache geworden


Mit einem Teilnehmerrekord endete am Freitag in Berlin der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit. Für drei Tage waren insgesamt 8.400 Entscheider aus dem deutschen Gesundheitswesen zur größten Branchenveranstaltung zusammengekommen, um sich zu gesundheitspolitischen Fragen auszutauschen. Das Leitthema beim diesjährigen Hauptstadtkongress lautete “Digitalisierung und vernetzte Gesundheit”.

Bereits der völlig überfüllte Saal bei der Eröffnungsveranstaltung zeigte, dass die digitale Revolution das Gesundheitswesen endgültig erreicht hat. Zu viele Besucher begehrten Einlass zum Kongressauftakt unter dem Titel “Digitalisierung - Visionen für die Gesundheitsversorgung”, Hunderte konnten schließlich nur an den überall im Berliner CityCube verteilten Bildschirmen zuschauen.

In seiner Eröffnungsrede wies Bundesgesundheitsminister Jens Spahn darauf hin, dass eHealth weltweit auf einem unaufhaltsamen Vormarsch sei. „Die Angebote sind da oder kommen: Amazon, Google, Dr. Ed“, sagte Spahn und fügte hinzu: „Es ist die Frage: Gestalten wir das oder kommt das von außen?“ Spahn hob hervor, dass mittlerweile weniger die technischen Möglichkeiten noch ein Problem seien, sondern vor allem die Regulierung und Finanzierung neuer digitaler Medizin im deutschen Gesundheitswesen. In einer Videobotschaft kritisierte auch SAP-Gründer Hasso Plattner, dass die scharfen gesetzlichen Regelungen in Deutschland „den Einsatz digitaler Innovationen hemmen“.

Eine der spektakulärsten Präsentationen war die eines Roboterarmes durch Prof. Dr. Sami Haddadin, einen weltweit führenden Robotikspezialisten und Gewinner des Deutschen Zukunftspreises. Haddadin zeigte, wie ein solcher Arm krankengymnastische Übungen zunächst mittels entsprechender Bewegung durch einen Therapeuten beigebracht bekommt und dann mit dem Patienten selbstständig durchführt. Der Roboter ist dabei in der Lage, rücksichtsvoll auf Berührungen von Menschen zu reagieren und gegebenenfalls auch nachzugeben. Haddadin führte auch vor, dass der Roboter dabei sensibel genug reagiert, um eine Gesichtsrasur mit einem elektrischen Rasierapparat ausführen zu können. Ziel von Haddadins Entwicklungsarbeit ist, dass solche Roboter in nächster Zeit zu Preisen angeboten werden können, die eine Nutzung jedermann ermöglichen.

Während des gesamten Kongresses waren Veranstaltungen zu den Themenbereichen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Deep Learning und Big Data sehr gut besucht. Dabei ging es beispielsweise um die Frage, ob zur Finanzierung digitaler Versorgungsleistungen neben den Budgets für den stationären und den ambulanten Sektor noch ein eigenes Digitalbudget erforderlich ist, wie Experten fordern. Es war auch Thema, wie die Digitalisierung den Praxisalltag niedergelassener Ärzte verändert und verändern wird. Ebenso waren neue, digitale Recruiting-Methoden zur Gewinnung von Arbeitskräften in den Mangelberufen der Pflege und bei Ärzten Gegenstand einer Session.

Selbst der Krankenhaus Rating Report 2018, der auf dem Hauptstadtkongress der Öffentlichkeit präsentiert wurde, kam an der Digitalisierung nicht vorbei: Zwar geht es den deutschen Krankenhäuser im Durchschnitt wirtschaftlich deutlich besser als in den Vorjahren. Der Fachkräftemangel wird aber mehr und mehr zu einem Risiko für die Versorgung. “Arbeitssparende technische Innovationen werden immer wichtiger, um Ärzte und Pflegepersonal zu entlasten”, erklärte Prof. Dr. Boris Augurzky das Ergebnis seiner Untersuchung, nach der bei gleichen Rahmenbedingungen wie heute bis 2025 voraussichtlich zusätzlich 80.000 Vollkräfte in den medizinischen Diensten der Krankenhäuser und weitere 80.000 Pflegefachkräfte in der Altenpflege benötigt werden.

Wie immer widmete sich der Hauptstadtkongress aber auch in diesem Jahr der gesamten Bandbreite gesundheitspolitischer Themen. Vor allem bot er drei Monate nach der langwierigen Regierungsbildung Gelegenheit, neue Ideen zu diskutieren und neue Gesichter in der Gesundheitspolitik kennenzulernen.

In einer Diskussionsrunde der gesundheitspolitischen Sprecher aller sechs Bundestagsfraktionen verteidigte Sabine Dittmar von der SPD das Sofortprogramm der Bundesregierung für die Pflege, das die Finanzierung von 13.000 zusätzlichen Stellen in der Pflege vorsieht. Sie räumte allerdings vor dem Hintergrund des herrschenden Fachkräftemangels ein: “Mir ist klar, dass eine finanzierte Stelle noch keine besetzte Stelle ist.”

Der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses zeigte sich angesichts der vom Bundesverfassungsgericht angestoßenen Debatte um die demokratische Legitimation des Gremiums offen dafür, neben Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern weitere Akteure einzubinden. “Man muss darüber diskutieren, ob die Zusammensetzung des G-BA noch zeitgemäß ist”, so Josef Hecken auf dem Hauptstadtkongress. In einer anderen Veranstaltung wurde die Konstruktion des G-BA und der Gemeinsamen Selbstverwaltung noch grundsätzlicher in Frage gestellt. Prof. Dr. Reinhard Busse von der TU Berlin formulierte seine Kritik so: “Die begrenzte staatliche Kontrolle über das Gesundheitssystem führt dazu, dass der Gesetzgeber die gleichen Akteure mit Lösungen von Problemen beauftragt, welche sie selbst überhaupt erst geschaffen haben.”

Intensiv diskutiert wurden auch die Pläne der Bundesregierung für ein GKV-Versicherten-Entlastungsgesetz, die ein Abschmelzen der finanziellen Rücklagen bei den Kassen vorsehen. Aus Sicht der Vorstandsvorsitzenden des Verbands der Ersatzkassen ist dies nur möglich, wenn zuvor der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich reformiert wird. Ulrike Elsner: “Unter den bestehenden Morbi-RSA-Bedingungen würden sich damit die ohnehin schon massiven Wettbewerbsverzerrungen in der GKV weiter verstärken. Denn Fehlstellungen im Morbi-RSA sind der Grund dafür, dass die Finanzreserven der Kassen heute sehr unterschiedlich verteilt sind.” Prof. Dr. Jürgen Wasem vom Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesversicherungsamt legte auf dem Hauptstadtkongress dar, dass beim Morbi-RSA - anstatt nur 80 Krankheiten zu berücksichtigen - ein Vollmodell Grundlage sein sollte.

Auch im Hinblick auf die Zahl der Vorträge war der 21. Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit eine Veranstaltung der Superlative: In mehr als 150 Einzelveranstaltungen traten rund 600 Referentinnen und Referenten auf.

Der Hauptstadtkongress 2019 findet vom 21. bis 23. Mai 2019 im Berliner CityCube statt.

 

Tanja Ehret
Tanja Ehret, CareTRIALOG Redaktion
tanja.ehret@caretrialog.de
Thursday, 07.06.18 14:00 Uhr


Digitalisierung: Gesundheitsminister Spahn mahnt Willen zur Gestaltung an

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Institutionen des Gesundheitswesens vor weiteren Verzögerungen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens gewarnt. Bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit in Berlin wies Spahn darauf hin, dass eHealth weltweit auf einem unaufhaltsamen Vormarsch sei. „Die Angebote sind da oder kommen. Amazon, Google, Dr. Ed, Sie können sie alle aufzählen. Und In China übrigens passiert noch viel, viel mehr, von dem wir hier gar nichts mitkriegen“, sagte Spahn und fügte hinzu: „Es ist die Frage: Gestalten wir das oder kommt das von außen?“

Spahn mahnte bezüglich digitaler Medizintechnologie, beispielsweise Apps, an, „dass wir auch vielleicht da nochmal ein Stück schneller, als das bisher gelingt, Standards setzen für die Zulassung“: Interoperabilität müsse dabei ebenso gegeben sein wie Schnittstellenoffenheit, Datenschutz und Datensicherheit.“ Aber wer das erfüllt, kriegt die Zulassung und dann – Innovation, Freiheit!“, so der Minister und kritisierte, dass derzeit große Unternehmen aufgrund komplizierter und unklarer Regulierung im Vorteil seien: „Unternehmen, kleine wie große, Menschen die Ideen haben, sollen Angebote entwickeln.“

Schließlich sei die Erstattung im Rahmen des deutschen Gesundheitswesens ein Problem. Es gebe Digitalmedizinanbieter in Deutschland, deren größter Wachstumsmarkt im Moment in anderen Ländern liege, weil der Patient dort viel mehr gewohnt sei, auch mal selbst zehn oder zwanzig Euro für einen schnellen Befund zu zahlen. „Und soweit du in Deutschland nicht in der Erstattungsfähigkeit der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung bist, ist deine Chance, wirklich wachsen zu können, in diesem schönen Land nicht gegeben.“ Es werde daher im Moment bei der Bundesregierung überlegt, ob der Gemeinsame Bundesausschuss hier neue Aufgaben erhalten solle und wie ein zu schaffendes Datengesetz den Datenschutz reformieren könne, so dass die großen im Gesundheitswesen anfallenden Datenmengen besser genutzt werden könnten.

Beim Hauptstadtkongress, zu dem ab heute mehr als 8.000 Repräsentanten aus allen Bereichen des Gesundheitswesens für drei Tage in Berlin zusammengekommen sind, lautet das Leitthema in diesem Jahr „Digitalisierung und vernetzte Gesundheit“. In der Eröffnungsveranstaltung wandte sich zunächst der SAP-Gründer Hasso Plattner in einer Videobotschaft an das Kongresspublikum. Plattner stellte ein von ihm initiiertes Projekt einer Health Cloud vor. Sämtliche diagnostischen Daten von Patienten sollen allen behandelnden Ärzten zur Verfügung stehen. Und die Cloud soll mittels künstlicher Intelligenz neue medizinische Therapien hervorbringen. Ziel ist es für Hasso Plattner dabei, durch gezielten Einsatz digitaler Technik die medizinische Behandlung zu verbessern und zugleich die Kosten zu senken. Plattner kritisierte aber, dass die scharfen gesetzlichen Regelungen „den Einsatz digitaler Innovationen hemmen“.

Neurowissenschaftler und Physiologen Dr. Martin Hirsch, Enkel des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg, erläuterte in einem Interview zur digitalen Revolution in der Medizin, dass die Digitalisierung vor allem auch eine personalisierte Prävention ermögliche. Dies würde bedeuten, dass das „Gesundheitssystem dafür sorgt, dass wir gar nicht erst krank werden“.

Unter der Leitung und Moderation von Prof. Dr. Erwin Böttinger, Deutschlands Spitzenforscher im Bereich Digital Health, wurde in prominenter Runde darüber diskutiert, wie Deutschland im Bereich der Digitalisierung einen Spitzenplatz erreichen kann.

 
 

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